Ausnahmesängerin ?

So stand es in einer E-Post-Nachricht: „…wird am Donnerstag, 26. April, 21 Uhr, das Konzert mit der aus New York stammenden Ausnahmesängerin Alana Alexander…“ Zwei, drei YouTube-Videos zeigen eine professionelle Sängerin, die charmant und präsent das gängige Repertoire in Jazz, Soul und Pop drauf hat, studioreif und souverän:

(https://youtu.be/hB_PLLOIh7I) .

Das ist aber heutzutage keine Ausnahme mehr. In unserer Region kenne ich mehrere Damen mit derselben künstlerischen Potenz. Zugereist oder hier aufgewachsen. Schwarz oder rosig, dick oder dünn.

Anders gesagt, es gibt keine Ausnahmekünstler. Es gibt keine Ausnahmegeiger, keine Ausnahmeschauspieler, keine Ausnahmepianisten. Es gibt nicht einmal Ausnahmetrottel. Hunderte machen, können und bringen dasselbe unter die Leute. Alle auf ihre Art. Und gleichrangig. Es ist für einen wie mich aber nachgerade belämmernd, was manche Leute tatsächlich so hinlegen, wofür ich jahrelang haben üben müssen, damit die Aufnahme an die Musikhochschule ohne Sorge über die Bühne im großen Saal gegangen ist.

Ein paar ganz wenige Ausnahmekünstler gibt es allerdings schon. Wirkliche Ausnahmen. Sozusagen Wunder. Kopfschüttelerscheinungen. Kürzlich habe ich eine gehabt. Einen kleinen Chinesen, der kaum eine Oktave greifen kann auf dem Klavier. So klein sind noch seine Hände. Und der hat das Fantaisie-Impromptu von Chopin gespielt, als ob er die Pranken eines Klavierlöwen hätte. Nebenbei hat er in die Kamera gegrinst. Danach habe ich probiert, wie weit meine Handspanne noch reicht. Eine Dezime schaff ich noch. Immerhin. aber das Fantaisie-Impromptu nicht mehr ohne haarsträubende Fehler.

Ich versuche es dennoch immer mal wieder. Weil in Takt 44 die zweitschönste Melodie von Chopin dran ist (1:44). Und die lässt mich vergessen, dass das Leben einmal zu Ende geht.